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Gemeinschaftsfahrt Hevella – RC Oberhavel an die Lahn 22. – 26.September 2010
Unsere alljährliche Gemeinschaftsfahrt sollte uns diesmal ins Hessische an die Lahn als Zufluss des Rheins führen.
5 Hevellen und 7 Hennigsdorfer machten sich am Mittwoch, den 22. September gegen 13:00 Uhr per Vereinsbus und Auto auf den Weg Richtung des in einer Flussschleife der Lahn gelegenen Weilburg, die Boote auf dem Anhänger, um gleich an der Lahn starten zu können. Die Fahrt zog sich hin, gegen 20:00 Uhr trafen wir in Weilburg ein, Hengi und Biggi nach separater Anreise vom Bahnhof mitnehmend und wurden freundlich vom dortigen Vereinsmitglied der Weilburger Rudergesellschaft in die Räumlichkeiten mit Übernachtung in zwei Trainingsräumen - ausgestattet mit einer beeindruckenden Zahl von Trainingsgeräten - eingewiesen. Im Stammhaus der Brauerei Metzler ließen wir uns das Abendbrot, serviert vom sympathischen jungen Kellner, schmecken.
Am nächsten Morgen hieß es um 7:30 Uhr frühstücken mit üblichem Ritual des gemeinsamen Beginnens, in welches nun auch
Neu-Gemeinschaftsfahrtenteilnehmer Knud eingewiesen wurde.
Zunächst ging es motorisiert flussaufwärts bis ein Stück vor Wetzlar, wo wir bei Km 14,5 am Ufer die Boote aufriggerten und anschließend zu Wasser ließen.
Wir tauchten ein in die hier noch schmale Lahn, die sich durch den Naturpark Nassau erstreckt.
Zwei Gebirge säumen den Flusslauf: der Westerwald nördlich der Lahn und der Taunus in südlicher Richtung.
Das Wetter war verhalten, nicht unbedingt schlecht. Wir passierten die ersten drei von bald sehr, sehr vielen Schleusen – zunächst im Handbetrieb, was einige Zeit kostete. Mittagspause gegen 12:30 bei Leun auf einer schönen Uferwiese nahe dem Dorfe nunmehr bei lichtem Sonnenschein. Weiter am Nachmittag Richtung Weilburg, unserem Quartierstandort. Unterwegs bewies Biggi ihre sportlichen Qualitäten beim Überklettern von am Ufer verteuten Schubeinheiten, um an Land eine reichliche Apfelernte einzuholen. Außer uns kein weiterer Bootsverkehr, lediglich ein im Wasser schwimmender Hund mit Frauchen an Land veranlasste uns zur Notbremsung. Die Steuermänner und-frauern mussten wegen der öfter auftauchenden Untiefen und steinigen Hindernisse sehr aufmerksam sein. In Weilburg angekommen ging‘s nach Körperpflege und kleiner Pause in die Stadt, vorbei am Schloss, mit Berichten von Sabine und Bernd, an dieser Stelle im zarten Jugendalter eine in guter Erinnerung gebliebene Zeit verbracht zu haben. Diesmal war das gemütliche La Strada unser Ziel, in welchem uns reichliche, schmackhafte Portionen geboten wurden.
Der Freitag sollte uns von Weilburg nach Limburg bringen, nachdem wir morgens unsere Sachen zum Weitertransport gepackt hatten.
Bei unserer Abfahrt – wir waren auf viele Schleusen an diesem Tag eingestellt – öffneten sich erst mal die Himmelsschleusen: anhaltender Landregen. Doch ein Höhepunkt des Tages erwartete uns unmittelbar: die Durchfahrt durch einen richtig langen Tunnel, 200m, den einzigen Schifffahrtstunnel Deutschlands! mit Doppelschleuse am Tunnelende. Knud, eigentlich zum Landdienst eingeteilt, wurde wegen des Erlebnisses als Kielschwein durch den Tunnel mitgenommen. In einer Mischung aus Rudern und Paddeln bewegten wir uns wegen der eingeschränkten Breite fort, die Schleuse war wieder im Handbetrieb zu bedienen, die Schleusenkammer wohl über 6m hoch.
Bei anhaltendem Regen überholten wir eine Schulklasse als Kanadier-Fahrer.
Nass und durchgefroren trafen wir mittags in der vom Landdienst organisierten Gaststätte in Runkel ein, wo wir einen Bekleidungswechsel vornahmen und uns mit heißer Suppe und Glühwein wieder auf Betriebstemperatur brachten. Runkel offeriert eine eindrucksvolle Burg, welche 1543 Melanchthon als Gast des Grafen Johann IV. von Wied beherbergte. Schlösser und Burgen am Flusslauf präsentieren sich eher mit sachlicher, schlichter Schönheit, sicher geschuldet der Zeitepoche, ähnlich die Wohnhäuser am Ufer. Insgesamt 7 Schleusen absolvierten wir an diesem Tag, wovon uns die letzte in eine mächtige Stromschnelle schickte, die wir zügig passierten.
Der Limburger Club für Wassersport 1895/1907 e.V. empfing uns mit großzügigem, komfortablen Gebäude, in welchem wir in einem gemütlichen, mit Parkett ausgestattetem Sportsaal mit unseren Lumas Quartier bezogen und die nassen Sachen zur Trocknung verteilten. Die Kreisstadt Limburg, im Limburger Becken gelegen, umgeben von den Mittelgebirgshöhen des Taunus und des Westerwaldes, präsentierte sich beim Stadtgang frisch herausgeputzt zum 1100jährigen Stadtjubiläum mit schicken Fachwerkhäusern, Schloss und Dom , zu welchem wir über den Fischmarkt und die Barfüßergasse gelangten. Eine katholische Ordensschwester klärte uns auf Nachfrage nach den sieben Türmen des Domes über die Bedeutung der Zahl sieben im christlichen Glauben auf. Im Gasthaus zum Burgkeller fanden wir wohlverdiente Abendstärkung, mancher ließ sich einen Federweißer schmecken.
Am Sonnabendmorgen weckte uns Hethis Wecker im Saal alle vor der Zeit, was wir jedoch verkrafteten.
Ein gemütliches Frühstück gönnten wir uns aus organisatorischen Gründen in einem Kaffee der Stadt. Ziel des heutigen Tages war die Fahrt über Nassau nach Bad Ems. Vormittags bei besserem Wetter lagen wir in einer Schleuse Boot an Boot mit einer größeren Gruppe Kanadier -Fahrer, welche sich als Mitarbeiter einer Versicherung im Teambildungstraining entpuppten. Deren sicherlich vorhandene Begeisterung über die Aktion an einem Sonnabend trat nur sehr unterschwellig zutage. Zur Mittagsrast in Laurenburg kam endlich der schon mehrfach angekündigte, erwartete, einmal bereits vergessene Schokokuchen einer Teilnehmerin zur Geltung und Verspeisung. Über Oranienstein, Balduinstein und Obernhof, dem einzigen Weinberg in der Gegend, fuhren wir in Richtung Nassau. Bei Km 111 – landschaftlich beeindruckend, die Lahn bereits breiter und die Berge höher – kollidierten zwei der drei Boote mit den langen Schnüren von Anglern, in denen sie sich verhedderten. Unterwegs gab‘s in unserem Boot gleich noch ein nützliches Techniktrainingsprogramm vom Fahrtenleiter gratis. Acht Schleusen lautete das Tagesprogramm!
Diese wurden mittlerweile durch Schleusenwärter bedient und einige ließen an tiefe, feuchte Kellerverliese, in denen der Delinquent bei Wasser und Brot zu darben hatte, erinnern. Schließlich trafen wir in Bad Ems, malerisch schön gelegen, dem weltberühmten Thermalbad mit zahlreichen Bauten mit bedeutender Bäderarchitektur, Zeugen römischer Geschichte und deutscher Romantik beim dortigen Ruderverein ein. Hier die Übernachtungsmöglichkeit etwas bescheidener, aber ausreichend. Auf dem Weg zur vom Landdienst organisierten Gaststätte vorbei an historischen Kurhäusern passierten wir eine Sprudelquelle: „Bohrung-Haustrunk ‚Thermaler-Natrium-Hydrogencarbonat- Chlorid-Säuerling‘“ – sicherlich eine der Quellen, die Bad Ems seit Jahrhunderten zur bisherigen Bedeutung verhalfen. Die Gaststätte gab sich griechisch, bedient wurden wir von einer jungen Frau, die sich an ihrem ersten Arbeitstag sehr auskunftsarm präsentierte. Zwei Kameraden bekamen ihr vergessenes Essen, nachdem die anderen bereits fertig waren, der Wirt hatte guten Humor, ließ sich von Stammgästen die Frage beantworten
„Was kostet denn unser Bier“ und meinte auf die Aussage, das Essen habe gut geschmeckt, „Der Koch ist verliebt“!
Es war ein netter Abend – jemand meinte:“Kommt es euch auch so vor, als ob wir schon Wochen unterwegs seien?“
Die für den Sonntag verbliebene Strecke von Bad Ems nach Lahnstein betrug noch überschaubare 12 km und führte über wiederum 4 Schleusen und an einigen Burgen u.a. am ‚Bootshaus an der Lahn‘ vorbei, in welchem seinerzeit schon Goethe verweilte. Der Landdienst war mittlerweile an der RG Lahnstein – nur einige hundert Meter vom Rhein entfernt – angekommen, traf in der RG auf eine Alt-Herren-Riege – Bier trinkend und Karten spielend – wir hatten ja Sonntagvormittag. Schließlich erreichten alle drei Boote das Ziel und somit vollendeten sich ca. 121 km Fahrtenstrecke mit ca. 25 Schleusen – eine sicher nicht zu unterschätzende Komponente.
Bedauerlicherweise beschloss die Alt-Herren-Runde für uns unerwartet und ohne Signal,
zu den vermutlich zu Hause kochenden Ehefrauen an den gedeckten sonntäglichen Mittagstisch zu eilen. Das Vereinshaus und –gelände waren plötzlich verschlossen, so dass diese Unsportlichkeit den meisten Teilnehmern die Möglichkeit nahm, wenigstens einen Toilettengang vorzunehmen. Die Boote wurden verladen, eine letzte kleine Zwischenmalzeit am Bootshänger eingenommen und man versammelte sich zum Gruppenfoto in Ufernähe. Eine zufällig vorbeikommende Kurpatientin war uns dabei freundlich behilflich.
Die Zeit des Verabschiedens war gekommen. Das uns in Vorbereitung der Fahrt nahegebrachte Liedgut „Es steht ein Wirtshaus an der Lahn“ kam leider aus Mangel
an Einigkeit über die richtige Melodie nie wirklich zur Aufführung. Dies tat aber dem Gesamterlebnis überhaupt keinen Abbruch. Der Dank geht an Fahrtenleiter Peter für die wiederum sehr geglückte Organisation der Fahrt. Wir brachen in Richtung Berlin und Hennigsdorf zur Heimkehr auf in der Hoffnung, diese schöne Tradition auch weiter fortsetzen zu können.
K. Josepeit
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